StadtnachrichtEN

Unser Stadtfest - auch in Zukunft ein Fest der Vereine?


Das neue Jahr hat zwar erst begonnen, aber die Vorbereitungen für zahlreiche Projekte und Veranstaltungen sind bereits in vollem Gange – auch für das diesjährige Stadtfest.
 
Zur Erinnerung: Das Stadtfest war ursprünglich ein Fest der Vereine, die es organisierten, das Angebot bestimmten, die Verantwortung und das Risiko dafür trugen. Die Einnahmen wurden dann nach einem bestimmten Verteilungsschlüssel auf die teilnehmenden Vereine aufgeteilt.
 
Nachdem der Aufwand für das Stadtfest immer größer, die Organisation zunehmend schwieriger und komplexer, aber die Zahl der freiwilligen Helfer und Verantwortlichen immer kleiner geworden war, sahen sich die am Stadtfest teilnehmenden Vereine außerstande, es weiterhin selbst zu „stemmen“. Deshalb wurde – wie immer in solchen Situationen – der Ruf laut, „die Stadt“ solle die Organisation übernehmen. Das tat sie auch.
 
Seit nunmehr 22 Jahren kümmert sich „die Stadt“ um die gesamte Organisation, wie zum Beispiel den Auf- und Abbau von Ständen, die Verlegung von Strom- und Wasserleitungen, die Bereitstellung von Kalt- und Warmwasserwaschbecken zur Einhaltung hygiene- und gesundheitsrechtlicher Bestimmungen, die Reinigung von Straßen, Plätzen, Tischen und Bänken, die Aufstellung von Zelten, die Müllentsorgung, den Sicherheitsdienst, den Toilettenwagen und dessen Reinigung, die Bereitstellung von Mehrweggeschirr, die Werbung und nicht zuletzt das gesamte Unterhaltungs- und Festprogramm über drei Tage. Wer so etwas schon einmal gemacht hat, der weiß, wie viel Aufwand dahintersteckt. Selbstverständlich sollen dabei die Helferinnen und Helfer, wie zum Beispiel der Bauhof, die verantwortlichen Leute für die Strom- und Wasserversorgung, der SPD-Ortsverein oder die Kasachstan-AG des Ernst-Abbe-Gymnasiums, die sich um das Geschirrmobil, die Platzreinigung und den Auf- und Abbau der Tischgarnituren kümmern, nicht unerwähnt bleiben.
 
Über all die Jahre war das Stadtfest stets ein Höhepunkt im jährlichen Stadtgeschehen, und viele positive Rückmeldungen waren Beweis dafür, dass die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und die Helferinnen und Helfer ihre Aufgabe gut gemacht haben. Daran haben auch kleinere Kritikpunkte nichts geändert, die bei einer so großen Veranstaltung immer wieder auftauchen und stets „abgearbeitet“ wurden.
 
Beim letztjährigen Stadtfest aber wurde die Stadtverwaltung heftig kritisiert. Anlass war die kurzfristige Absage eines Vereins, der sich bisher um die Bratwürste gekümmert hatte, so dass es dieses Mal weder Thüringer Bratwürste noch Rostbrätchen gab. Und nachdem die Kritiklawine losgetreten war, wurden auch andere Dinge kritisiert, vom Unterhaltungsprogramm bis hin zum Festplatz, vor allem aber die angeblich viel zu hohen Preise für Speisen und Getränke. Dass die Preise gar nicht von „der Stadt“ festgelegt werden, interessierte dabei niemanden. Über Wochen hinweg drohte – sarkastisch formuliert – schier der Weltuntergang, weil es keine Bratwürste gab, und „die Stadt“ sich angeblich „dumm und dämlich“ verdiene, da sie den Vereinen und sonstigen Standbetreibern zu viel Geld abknöpfe.
 

 
Bleibt das Stadtfest ein Fest der Vereine?
 
Der Verwaltungsausschuss des Gemeinderats befasste sich am 21. November des vergangenen Jahres mit der Kritik. Dabei wurden insbesondere auch die Kosten und Einnahmen näher betrachtet. Folgende wesentliche Feststellungen wurden herausgearbeitet:
 
Von der ursprünglichen Idee des Stadtfestes als „Fest der Vereine“ ist kaum noch etwas übrig. Immer mehr Vereine verabschieden sich, weil ihnen der Aufwand zu groß ist oder sie kein Personal finden, um die Stände über drei Tage hinweg zu bewirtschaften. Die gesamte Organisation und Arbeit wurde mittlerweile auf die Schultern der Stadtverwaltung und des Bauhofs abgeladen. Mit Ausnahme des SPD-Ortsvereins, der das Geschirrmobil am Stadtfestwochenende betreut, ist kein einziger Verein bei der Organisation behilflich.
 
Bisher wurden ausschließlich Oberkochener Vereine und Anbieter als Standbetreiber beim Stadtfest berücksichtigt. Aus diesem Grund wurde im vergangenen Jahr kurzfristig auch kein auswärtiger (kommerzieller) Anbieter als Ersatz für den bisherigen Bratwurststand zugelassen. Die Stadtverwaltung möchte gerne am Vorrang Oberkochener Vereine und privater Anbieter festhalten. Sollte aber das Stadtfest nur noch als kommerzielle Einnahmequelle gesehen werden, dann wäre die ursprüngliche Intention und Idee des Stadtfestes verlorengegangen. In diesem Fall würde es auch keinen Sinn mehr machen, ausschließlich Oberkochener Vereine und Anbieter zu berücksichtigen. Mit auswärtigen Anbietern wäre zum einen eine größere Angebotsvielfalt möglich; zum anderen könnten Ausfälle, wie im vergangenen Jahr beim Bratwurststand, ohne Probleme kompensiert werden.
 
Vereine und private Standbetreiber kritisieren die zu hohen Abgaben an die Stadt für Hütten und Infrastruktur. Einzelne Vereine kritisieren zudem, am Stadtfest umgerechnet nicht einmal den Mindestlohn erwirtschaften zu können.
 
Richtig ist: Die Standbetreiber zahlen für die Bereitstellung der Hütten und der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur zum einen verschiedene fixe Pauschalen, zum anderen Aufschläge auf die jeweils angebotenen Speisen und Getränke. Letztere sind seit 22 Jahren, also seit der Übernahme der Stadtfestorganisation durch die Stadtverwaltung, unverändert!
 
Für die Bereitstellung der Hütten mit Licht, separatem Stromverteiler sowie Strom- und Wasseranschluss werden aktuell 50 € verrechnet. Seit zwei Jahren kommen weitere 50 € für die abschließbaren Hüttenfronten, die abschließbare Schiebetür sowie die vom Wirtschaftskontrolldienst des Ostalbkreises für jede Hütte geforderten Heißwasserboiler mit Handwaschbecken und deren Überdachung hinzu. Vor allem die Verschärfung der lebensmittel- und hygienerechtlichen Vorschriften hat zu einem großen Mehraufwand und deutlich höheren Kosten bei der Bereitstellung der Hütten sowie der Ver- und Entsorgungsinfrastruktur geführt.
 
Für die Nachtwache bezahlen die Standbetreiber 10 € bzw. 25 € bei Verkauf von alkoholischen Getränken. Nicht für die Risiken von Vereinsfesten versicherte Vereine und Privatpersonen entrichten eine Pauschale in Höhe von 50 € für die Gemeinschaftsversicherung, die die Stadtverwaltung für die Risikoabsicherung öffentlicher Feste abgeschlossen hat und jährlich ca. 2000 € kostet. Für den Stromverbrauch werden in der Regel 30 € erhoben, bei stromintensiven Abnahmestellen 50 € bis 80 €.
 
Die Fixkosten betragen demnach pro Standbetreiber in der Regel zwischen 150 € und 200 €. Von überhöhten Abgaben kann damit wohl nicht die Rede sein. Dennoch werden die Aufschläge auf Speisen und Getränke überprüft und ggf. geändert, da der Aufwand für die Herstellung von Speisen deutlich größer ist als der Ausschank von Getränken.
 
Und wie sieht es mit der Behauptung aus, die Stadt „verdiene sich dumm und dämlich“ am Stadtfest? Nun, da sind zunächst einmal die Einnahmen aus den o.g. Entgelten und Pauschalen. Hinzu kommen Standgelder für den Krämermarkt und den Vergnügungspark. Sie betrugen im vergangenen Jahr insgesamt 9.937,60 €.
 
Demgegenüber betrugen die Kosten für Unterhaltungsprogramm, Bühnen und Bühnentechnik, Public Viewing anlässlich der Fußball-WM, Stromversorgung mit Bereitschaft, Wasserversorgung und -entsorgung, Ersatzbeschaffungen, Reparaturen, Sicherheitsdienst, Nachtwache, Sanitätsdienst, Auf- und Abbau, Platzreinigung, WC-Wagen und Handicap-Kabine für behinderte Menschen inklusive Reinigung, Geschirrmobil inklusive Betrieb, Pendelbus zwischen Brunnenhalde und Stadtteil „Heide“, Palio, Biergarnituren, Sonnenschirme, Zelte, Werbebanner, Städtepartnerschaftsabend, Personal und Fahrzeuge des Bauhofs sowie Sonstiges insgesamt 70.036,45 €!
 
Abzüglich der Einnahmen bezahlt „die Stadt“ also jährlich grob gerechnet ca. 60.000 € für das Stadtfest und subventioniert auf diese Weise insbesondere die am Stadtfest beteiligten Oberkochener Vereine. Für einige von ihnen stellt dies eine bedeutende, für manche sogar die wichtigste Einnahmequelle dar. Das ist durchaus in Ordnung, denn sie engagieren sich für die Öffentlichkeit und tragen zum gesellschaftlichen Leben in unserer Stadt enorm bei. Es macht aber auch deutlich, dass „die Stadt“ am Stadtfest nichts „verdient“ und auch niemanden über Gebühr belastet. Und schon gar nicht ist sie für die Höhe der Abgabepreise verantwortlich, die von den Standbetreibern selbst festgelegt werden.
 
Stadtverwaltung und Bauhof sind gerne bereit, das Stadtfest weiterhin zu organisieren und auf die Beine zu stellen. Darüber hinaus ist auch der Gemeinderat bereit, einen finanziellen Beitrag für das Stadtfest und die beteiligten Vereine zu leisten. Es sollte dann aber nicht so sein, dass sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unsachlicher Kritik aussetzen müssen und im Gegenzug dafür, immer mehr Aufgaben und Leistungen übernehmen sollen. Da es aber nichts gibt, was man nicht noch besser machen könnte, sind Anregungen gerne willkommen. Vor allem aber werden Leute gesucht, die bereit sind, aktiv mitzuarbeiten.
 
Das Stadtfest sollte in seiner ursprünglichen Form als „Fest der Vereine“ bestehen bleiben. Kommerzielle Interessen sollten dabei seitens der Vereine nicht im Vordergrund stehen, wenngleich der Aufwand, den sie betreiben, sich verständlicherweise lohnen muss. Ansonsten droht unser Stadtfest zu einem rein kommerziellen „Event“ zu werden. Das wäre schade für uns alle – vor allem für „die Stadt“ als Gemeinschaft.